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Der Wanderpfad nach Loutro

Zu Fuß zu einem der schönsten Orte auf Kreta

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Juli 2020. Es ist noch früh und die ersten Sonnenstrahlen scheinen gerade erst über die Berge vom Nordosten, als das Thermometer schon 27°C anzeigt. Mein Ziel für diesen Tag: Ich möchte von Chora Sfakion über den Wanderpfad nach Loutro laufen. Die Strecke beträgt in einer Richtung rund 4,5 Kilometer und führt entlang der Küste. Unterwegs wartet eine kleine Taverne am Strand von Glyka Nera, besser bekannt als Sweet Water Beach. Ansonsten gibt es auf der Strecke keine Möglichkeiten, Wasser und Co. zu kaufen. Deshalb heißt es erst einmal, ich packe meinen Rucksack und nehme mit…

Das wichtigste für den Tag ist viel Flüssigkeit. Ich packe mir zwei Liter Wasser ein. Kleiner Hack, ich habe es vorher eingefroren, damit es länger kalt bleibt. Es wird zwar nicht für Hin- und Rückweg reichen, aber man hat in der Saison unterwegs die Chance zu fairen Preisen Getränke und Essen zu kaufen. Als nächstes folgt die Sonnencreme – der Nachschub ist super wichtig, denn die Strecke bietet nur sehr wenige schattige Plätzchen und auch wenn 4,5 Kilometer nicht sehr weit klingen, ist man auf dieser Strecke einige Zeit ungeschützt der krassen Sonne Südkretas ausgesetzt. Und was natürlich auf gar keinen Fall fehlen darf, sind die Badesachen. Außerdem sind ein gutes Paar Schuhe und die Sonnenbrille sowie eine Kopfbedeckung ein Muss. Zum Schwierigkeitsgrad der Strecke später noch mehr Informationen.

eine griechische Stadt am Türkisen Meer

Start der Wanderung

Es ist später Vormittag und die Sonne steht hoch am Himmel, als ich den “Parkplatz” am Startpunkt des Wanderpfads erreiche. Den Mietwagen stelle ich hinter einer Kurve am Straßenrand ab und sichere ihn auf der steilen Straße zusätzlich mit großen Steinen hinter den Reifen. Dann muss ich mich erst einmal orientieren, denn der Pfad ist für mich kaum erkennbar. Die Richtung in die er führt, entlang der steilen Felswand, wirkt erst einmal absurd und lässt vorahnen, dass die Wanderung zum Abenteuer wird. Ich erblicke nach und nach mehr gelb-schwarze Markierungen auf den Felsen und mache mich schließlich auf den Weg.

Es dauert auch nur wenige Meter, bis es links neben dem schmalen Weg steil bergab geht. Das ist nichts für Leute mit Höhenangst oder die nicht gut zu Fuß sind. An manchen Stellen ist der Wanderpfad keinen Meter breit und nur gesichert durch ein Drahtseil an der Felswand, an dem mach sich gut festhalten sollte. Manchmal muss man leicht gebückt gehen, manchmal auch etwas klettern und das alles in der brütenden Hitze Kretas. Dafür ist die Aussicht ist unbeschreiblich schön.

Es sind mittlerweile über 30° Celsius. Für mich geht es nur langsam voran, denn alle paar Meter habe ich das Bedürfnis, die Landschaft zu fotografieren. Nach dem ersten Drittel des Wanderpfads erreiche ich auch schon das erste große Highlight der Tour – Den Paralia Glyka Nera, auch bekannt als Sweet Water Beach. Ein langer grober Sandstrand in einer von riesigen Felswänden umrandeten Bucht. Diesen Ort erreichst du nur über den abenteuerlichen Fußweg oder mit dem Wassertaxi.

Sweet Water Beach – Perfektion!

Zeit für eine erste Erfrischung. In der kleinen Taverne auf dem leuchtend hellblauen Wasser wartet ein Familienbetrieb mit klassischen kretischen Gerichten und natürlich eiskalten Getränken auf die Touristen.

Ich werde direkt super freundlich empfangen und komme schnell mit einem der Söhne ins Gespräch. Ein kleiner Griechischkurs inklusive. Wir zählen rund 30 Menschen am Strand. Er erzählt mir, dass es vor der Krise um die 100 waren. Die Lage für die Einheimischen ist zwei Wochen nach dem verspäteten Saisonstart immer noch eine Katastrophe. Trotzdem bleiben die Preise fair. Für eine Flasche Wasser zahle ich 80 Cent, für einen Frappé um die zwei Euro und das, obwohl es weit und breit keine Alternative gibt.

Bevor es für mich weitergeht in Richtung Loutro, springe ich erst einmal ins Wasser. Und ein zweites Mal, denn es ist einfach zu schön hier und das Glück im Unglück, diesen Ort so einsam genießen zu dürfen, wird es wohl kein zweites Mal geben. Das Wasser ist erfrischend kalt und unglaublich klar – die perfekte Abwechslung zum Wandern in der heißen Felswand.

Vom Sweet Water Beach nach Loutro

Es ist inzwischen gegen Mittag und den größten Teil der Wanderung habe ich noch vor mir. Gleich gegenüber der Taverne geht der kleine Wanderpfad weiter. Schnell wird klar, dieser Teil der Wanderung ist bis auf ein paar kleine Etappen deutlich einfacher zu laufen. Es geht über einen Schotterpfad entlang der wilden Küste. Überall duftet es nach Thymian und anderen frischen Kräutern. Hier und da huscht mal eine kleine Eidechse unter einen Felsen und ab und an kommen mir ein paar entspannte Ziegen entgegen, ansonsten bin ich auch auf diesem Teil der Strecke wieder sehr einsam unterwegs. Das macht aber gar nichts, denn die Landschaft ist so mitreißend, dass für mich keine Langeweile aufkommt.

Neben einsamen Buchten kommt man mitten im Nirgendwo auch an einer weißen Kirche vorbei. Hier zeigt sich die griechische Romantik von ihrer besten Seite. Ich nutze den Schatten des Gebäudes für eine kurze Pause und genieße die Stimmung. Die weiße Promenade von Loutro ist von hier aus schon gut zu sehen.

weiße Kirche an der Küste von Kreta

Der Weg führt weiter entlang der Küste. Auch wenn der Weg zwischendurch etwas wilder wird, ist der Pfad immer gut gekennzeichnet und zeigt einem den “einfachsten” Weg. An diesem Tag gehen ein paar Wellen. An einer Stelle muss man sehr nah am Wasser vorbei und ich schaffe es natürlich nicht ohne nasse Füße. Wenn Du aber ein, zwei Stunden in der Hitze unterwegs bist, ist das kein großes Übel.

Loutro, oh Loutro!

Etwa vier Stunden sind vergangen, seitdem ich mich auf den Weg gemacht habe und ich bin klatschnass geschwitzt. Deswegen springe ich bei meiner Ankunft in Loutro als allererstes ins Wasser. Die Stimmung im kleinen Fischerdörfchen ist entspannt. Natürlich zeichnet sich auch hier das Bild des Sommers 2020 ab. Einen guten Platz am schmalen Kieselstrand zu finden ist kein Problem, die Tavernen sind größtenteils leer. Das liegt aber auch an der Tageszeit – es ist mittlerweile Nachmittag und das Thermometer am Tagesmaximum. Nach einer Fotorunde lande ich bei einem eiskalten Freddo Cappuccino in einem der schattigen Cafés direkt am Wasser. Ausnahmsweise bestelle ich meinen Kaffee mit Zucker, denn der Weg hierher hat mich doch sehr viel Energie gekostet.

Überall duftet es nach leckeren Schmorgerichten und heißer Grillkohle. Einen Moment lang denke ich darüber nach, mir den Bauch vollzuschlagen und mich gemütlich mit dem Wassertaxi zurückfahren zu lassen. Die Bootstour kostet nur etwa 5 Euro und es gibt verschiedene kleine Schiffchen, die die Strecke Chora Sfakion – Sweet Water Beach – Loutro mehrmals am Tag fahren. Verlockend, aber da war ja noch was. Ich hatte mir fest vorgenommen, den Weg zu laufen, also geht es nach etwa einer Stunde wieder zu Fuß zurück.

Der Schwierigkeitsgrad

Erst bei meiner Rückkehr am Parkplatz merke ich, wie meine Knie zittern. Ich bin vollkommen im Eimer! Aber happy! Happy, es durchgezogen zu haben, aber auch happy über die vielen neuen Bilder und Eindrücke, die ich gesammelt habe. Bevor ich ins Auto steige und weiterfahre, setze ich mich einige Minuten auf die Leitplanke an der Straße und trinke das restliche Wasser, dass ich noch bei mir habe.

Ich würde behaupten, ich habe keine Höhenangst, aber einen gesunden Respekt. Entlang der steilen Abgründe, besonders auf dem Abschnitt vom Parkplatz zum Sweet Water Beach, steigt der Adrenalinspiegel immer wieder an. Das führt dazu, dass man nach einer Weile das Gefühl für die körperliche Erschöpfung verliert.
Dazu kommt noch die Sonne vor Ort, die ich jedes Mal unterschätze, wenn ich für eine längere Zeit nicht auf Kreta war. Ich empfehle daher jedem, der diesen oder andere Wanderwege auf Kreta gehen will, ausreichend Pausen zu machen und sehr viel Wasser zu trinken.

Für den Rückweg habe ich übrigens mit kleinen Pausen insgesamt etwa 2 Stunden gebraucht.

Auch wenn ich den Weg zu Fuß nicht unbedingt weiterempfehlen würde, bin ich doch sehr glücklich, diese Erfahrung gemacht zu haben. Ein krasser Mix aus Euphorie und Anstrengung.

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